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Ein Jahr Großväterland

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Es ist ziemlich genau ein Jahr her, dass die Idee zu Großväterland aus einem Gespräch mit meiner Mutter, über das Schicksal meines eigenen Großvaters im Zweiten Weltkrieg, entstanden ist. Zuallererst einfach als grobes Konzept veröffentlicht, ist dabei innerhalb eines Jahres mehr als nur ein Projekt geworden. Wir möchten die Gelegenheit nutzen, einen kurzen Abriss darüber zu geben, was genau danach passiert ist und was Euch und uns noch erwartet – auch wenn wir einiges vor kurzem bereits erwähnt haben, hier noch einmal im Überblick:

  • Die ersten Monate, nachdem klar war, dass wir – damals noch Markus, Alex und Christian – die Idee aus den Augenzeugenberichten deutscher Kriegsveteranen und Zeitzeuginnen eine Graphic Novel zu machen, standen ganz im Zeichen des Crowdfundings bei Indiegogo. Das offizielle Ziel – 18.000,00 Dollar – haben wir schließlich kurz vor knapp erreicht. Durch die Möglichkeit, auch nach Kampagnenende noch Beiträge zu leisten, stehen wir jetzt bei knapp ca. 20.000,00 Dollar. Mit Luft nach oben. Wie gesagt, es kann weiter bestellt werden.
  • Bereits während der Kampagne entstanden interessante Kontakte jenseits der geplanten Buch-Veröffentlichung. Das Stadtmuseum einer europäischen Hauptstadt hat Interesse an einer Veranstaltung, mehrere Anfragen für Vorträge haben uns erreicht. Ganz sicher ist, dass es im Herbst 2016 zu Großväterland eine große Ausstellung in der Stadt Minden geben wird. Dazu mehr, wenn es konkrete Informationen gibt. Wir sind uns sicher, dass rund um Ausstellungen und Vorträge noch mehr passieren wird. Schließlich sind wir erst ein Jahr alt und noch gar nicht „raus“.
  • Wir hatten sehr viele Kontakte zu Menschen, die uns von Ihren Erlebnissen berichten wollten. Alle Anfragen haben wir uns ganz genau angeschaut und gut ein dutzend ausgewählt. Gerne hätten wir mit allen gesprochen. Wir mussten aber leider auch ans Budget denken. Christian hat die ausgewählten Frauen und Männer besucht und ist dafür viel gereist. Von Lübeck bis München quer durch die Republik. Die Handlungsorte der Berichte reichen dabei von Danzig und Berlin über Nordafrika und die Normandie bis nach Stalingrad. Unser Wunsch, alle Aspekte des Krieges abzudecken, konnte bereits erfüllt werden. Dennoch sind wir noch immer für Tipps dankbar. Wir können noch weitere Veteranen aus Afrika und von der Ostfront befragen. Konkret suchen wir nach einem Zeitzeugen, der die Schlacht von Monte Cassino in Italien erlebt hat. Da wir in Minden ausstellen, sind für uns auch Zeitzeugen aus dieser Region interessant.
  • Aus privaten Gründen musste Alex Kahl das Projekt leider im Sommer 2015 verlassen. Das tut uns – Christian und Markus – sehr leid. Definitiv wird Alex aber weiterhin als Initiator des Projektes gewürdigt werden – ohne seine damalige spontane Nachricht auf Facebook an Markus, mitzumachen, wäre Großväterland nie über die „Idee“ hinausgekommen. Danke noch einmal für Deinen Einsatz, Alex.
  • Als uns klar war, welche Dimensionen unser Vorhaben hat, sind wir auf die Suche nach einem Partner gegangen, der uns über das Crowdfunding heraus als Herausgeber unterstützen kann. Selbstbewusst haben wir uns dabei nur an die größeren deutschsprachigen Comic-Verlage gewendet. Die Gespräche laufen hier – in einem Fall ziemlich konkret. Wir sind uns aber sehr sicher, dass wir hier bald mehr zu sagen können. Im positiven Sinne.
  • Letztlich ist Großväterland das perfekte Beispiel für ein Projekt, dass es ohne das Internet nie gegeben hätte. Denn erst durch den regen Kontakt mit Euch als Befürworter, Unterstützer und auch Kritiker von Großväterland hat es an vielen Stellen Kontur gefunden, wo es oft unscharf war. Somit kann sich jede und jeder Einzelne, die und der sich eingebracht hat, als Teil des Projektes fühlen. Auch bei der Suche nach unseren Protagonisten haben wir viel Hilfe aus Deutschland und dem Ausland bekommen. Bitte schreibt uns weiterhin, was ihr denkt, wo ihr Potential seht und alle weiteren Tipps und Anmerkungen.

Der größte Gewinn aus Großväterland

Was Großväterland für uns in jedem Fall bedeutet und als erstes Fazit ein großer Gewinn ist: Durch den persönlichen Kontakt mit unseren Augenzeugen und Zeitzeuginnen haben wir einen neuen Blick auf den Krieg und das Dritte Reich bekommen. Uns wurden Geschichten erzählt, von denen wir bislang nichts wussten oder deren Ausmaß uns nicht bewusst war. Nichts davon hat irgendetwas von dem Leid relativiert, dass wir bereits aus dem Schulunterricht oder anderen offiziellen Quellen wussten. Oder im Falle von Christian aus der wissenschaftlichen Arbeit. Gelegentlich begegnete uns im Vorfeld die Angst anderer, Großväterland könnte die gelernte Realität dessen, was im Zweiten Weltkrieg passiert ist und das wir als Deutsche nicht anders als ein schändliches Erbe ansehen müssen, in eine verzehrte Perspektive rücken.

Doch die oft sehr direkten Schilderungen persönlich erlittenen Leids haben viel mehr eine weitere, schreckliche Dimension zu diesem hinzugefügt. Eine erzählerische Schicht, die aus abstrakten Gesamtbetrachtungen wie z. B. „den Ruhrkessel“ oder „die Schlacht um Stalingrad“ etwas direkt erfahrbares gemacht haben. Eine Erfahrung, für die wir sehr dankbar sind und die wir hoffen, in die Graphic Novel transportieren zu können. Folgt sie doch unserem Grundgedanken, nicht die Geschichte des Krieges, sondern Geschichte aus dem Krieg zu erzählen.
Das für heute als Übersicht, was alles geschehen ist und woran wir neben dem eigentlichen Comic noch arbeiten. Nun gehen wir zurück an den Zeichentisch und freuen uns, Euch bald wieder einen Ausschnitt aus unserer Arbeit zeigen zu können. Soviel sei verraten: Es geht nach Stalingrad.

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